Mittwoch 24. Oktober 2018

Und wieder haben 44 TeilnehmerInnen aus unseren Pflichtschulabschlusskursen erfolgreich abgeschlossen!

Für eine Aufnahme in die Vorbereitungslehrgänge für den Pflichtschulabschluss sind Deutschkenntnisse auf dem Level A2+ oder noch besser B1 nachzuweisen. Oft ist die Motivation die neue Sprache zu perfektionieren sehr groß und die TeilnehmerInnen lernen in den 11 Monaten nahezu perfekt Deutsch. Eine ganz besonders engagierte Trainerin, die die besten Saiten aus den Lernenden herauskitzelt, ist Mag. Charlotte Nickl, die in diesem Frühjahr in den Klassen einen Schreibwettbewerb initiierte. Wir danken  ihr für ihre Mühe! Die Ergebnisse sind wunderbar. Anbei finden sie den Abdruck der Siegergeschichte von Sarina.

 

Die junge Frau unter dem blauen Himmel

 

Die junge Frau beginnt langsam zu weinen und ihre Augen sehen in den Himmel. Der Himmel der jungen Frau war immer grau, weil ihr Herz traurig war.

Die Hände der Frau waren klein, aber sie arbeitete mit ihnen sehr schwer.

Der Mann der Frau ist gestorben und jetzt muss sie allein für den Lebensunterhalt arbeiten. Sie möchte die Welt für ihre Familie gut bauen.

In ihrer Kultur ist das Bürgerrecht der Männer und Frauen nicht gleich, es gibt keine Emanzipation. Die Frauen leben immer mit Einschränkungen.

Sie haben keine Rechte und sind bei dem jedem Drama schuldig, weil die Männer denken, sie kennen sie, aber sie richten und verkennen sie.

Sie müssen schnell jemanden, den ihre Eltern schon gewählt haben, heiraten. Sie leben in einem Käfig. Sie leben zwar, aber andere verstehen es für sie. Die junge Frau erinnert sich, dass ihre Eltern kein Mädchen haben wollten.

Die Frau atmete tief und reinigte ihre Tränen und dachte es wäre schön, wenn sie ein Junge wäre und frei leben könnte. Dann könnte sie das Leben genießen, studieren und niemand könnte sie stören und sie könnte sich sogar in jemanden verlieben...

Sie dachte jetzt, wie könne sie jetzt ohne einen Mann „draußen“ leben und arbeiten?

Wie werden sich die Leute ihr gegenüber benehmen? Spontan erfüllte sie große Angst, aber sie muss das, was kommt, aushalten und weitergehen, weil sie für die Familie zuständig und die Alleinerziehende war.

Sie sah in den grauen Himmel und fragte sich:

Ob wohl die Frauen auf der ganzen Welt unterdrückt sind, ob sie auch leiden?

Dann sagte langsam:

„Es wäre schön, wenn alle Menschen, Frauen und Männer gleich wären, gleich reich und gleich nett.“

„Es wäre schön, wenn die Hautfarbe unwichtig und die Gedanken der Menschen gleich wären.“

„Es wäre schön, wenn ich mir nie wieder wünschen müsste, dass ich ein Mann wäre.“

„Wenn die Welt der Menschen so wie meine Gedanken werden könnte, dann wird der Himmel auf der ganzen Welt blau gefärbt und wolkenlos sein.“

 

Sarina aus Afghanistan

(Schreibwettbewerb im Frühjahr 2017 im Rahmen des Pflichtschulabschlusskurses)

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